
Oberst André Wüstner stellte sich den Fragen von Peter Müller und dem Publikum
Oberst André Wüstner stellte sich den Fragen von Peter Müller und dem Publikum
Am Freitag, den 24. April 2026, war Oberst André Wüstner, Bundesvorsitzender des Deutschen BundeswehrVerbandes, zu Gast in Hermaringen. Die Veranstaltung fand in der Rudolf‑Magenau‑Schule statt und wurde von der Gemeinde Hermaringen ausgerichtet. Der Erlös des Abends kommt dem Verein Heidenheim‑fuer‑Ukraine.de e.V. zugute.
Initiiert wurde die Veranstaltung von Peter Müller, langjähriges Mitglied von Heidenheim‑fuer‑Ukraine.de e.V., dem es gelungen war, Oberst Wüstner im Vorfeld der 13. Königsbronner Gespräche für einen Gesprächsabend nach Hermaringen zu gewinnen.
Persönlicher Werdegang und Aufgaben des BundeswehrVerbandes
Im ersten Teil der Veranstaltung schilderte Oberst Wüstner seinen persönlichen Werdegang, darunter seine Einsätze im Kosovo und in Afghanistan, die – wie er betonte – für alle Beteiligten prägend gewesen seien. Er erinnerte daran, dass in Afghanistan 59 deutsche Soldaten ihr Leben verloren haben.
Zudem erläuterte er die Aufgaben des Deutschen BundeswehrVerbandes als Interessenvertretung aller Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Wüstner machte deutlich, dass er trotz seines Dienstgrades eines Obersts vom militärischen Dienst freigestellt ist und vom Verband entlohnt wird, um unabhängig agieren und Kritik offen formulieren zu können.
Zeitenwende, Personal und Wehrpflicht
Ausführlich ging Wüstner auf die Herausforderungen der sogenannten Zeitenwende ein. Nach seiner Einschätzung sei der Bundeswehr über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg schrittweise Wehr‑ und Leistungsfähigkeit entzogen worden. Zwar stünden nun finanzielle Mittel zur Verfügung, doch die Industrie müsse nach Jahren des Sparkurses erst wieder in die Lage versetzt werden, Lieferketten zu revitalisieren und Produktionskapazitäten zu skalieren – insbesondere unter stärkerer Einbindung des Mittelstands.
Kritisch äußerte sich Wüstner auch zur oft genannten Zahl von 993.000 Reservisten, die aus seiner Sicht rein theoretisch sei, da lange Zeit keine wirksame Wehrüberwachung stattgefunden habe. Diese sei erst im Zuge der Zeitenwende wieder aktiviert worden. Auch gemeldete Rekrutierungserfolge seien differenziert zu betrachten, da offenbleibe, wie viele Interessierte tatsächlich den Dienst antreten und langfristig verbleiben.
Vor diesem Hintergrund vertrat Wüstner die Position, dass die personellen Ziele der Bundeswehr letztlich nur mit einer Wiedereinführung der Wehrpflicht erreichbar seien. Die hohe Popularität von Verteidigungsminister Boris Pistorius wirke sich dabei aus seiner Sicht positiv auf die öffentliche Wahrnehmung der Bundeswehr aus.
Einschätzungen zur internationalen Lage
Mit Blick auf internationale Konflikte ging Wüstner auch auf den Krieg im Iran ein. Militärisch agierten die USA dort professionell, dennoch könne man einen Krieg nicht allein militärisch gewinnen; militärische Überlegenheit ersetze keine fehlende politische Strategie. Insgesamt müsse der Krieg daher als Desaster bewertet werden.
Publikumsfragen und lebendige Diskussion
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte sich Oberst Wüstner den Fragen des Publikums. Diskutiert wurden unter anderem:
- die Aufnahmefähigkeit der Bundeswehr bei einem möglichen starken Bewerberansturm,
- die Verfügbarkeit von Ausbildern und Kasernen,
- die Vorfälle beim Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken und daraus resultierende Konsequenzen,
- die Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Bundeswehrpiloten,
- sowie die Frage, warum der Marschflugkörper Taurus nicht an die Ukraine geliefert wird.
Abschließend fasste Wüstner die Elemente einer wirkungsvollen Abschreckung zusammen:
- eine einsatzbereite Bundeswehr ("Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen!")
- eine resiliente und wehrwillige Gesellschaft und
- eine leistungsfähige Verteidigungsindustrie.
Oberst Wüstner überzeugte dabei durch umfangreiches Fachwissen, detaillierte Antworten und einen immer wieder aufblitzenden Humor. Das Publikum dankte ihm zum Abschluss mit lang anhaltendem Applaus.
Wir bedanken uns herzlich bei Oberst André Wüstner, der Gemeinde Hermaringen, bei Peter Müller für die Organisation und Moderation des Abends sowie bei allen Gästen für ihr großes Interesse und ihre Unterstützung für Heidenheim-fuer-Ukraine.de e.V..